Steinkauz
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© Ruedi Aeschlimann
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Steinkauz

Der Steinkauz besiedelt strukturreiche Kulturlandschaften mit Hochstammobstgärten, alten Bäumen, nischenreichen Gebäuden sowie extensiv genutzten Wiesen und Weiden. Er jagt in offenen, kruzrasigen Flächen mit zahlreichen Strukturelementen wie Einzelbüschen, Ast-/Steinhaufen sowie Zaunpfosten als Ansitz. Charakteristisch sind kleinräumige Mosaike mit überständiger Vegetation als Unterschlupf für Beutetiere und offenen Bereichen zur Jagd. In der Schweiz lebt er in Tieflagen bis 600 m ü.M. in den Grenzregionen Genf, dem Dreiländereck bei Basel, Tessin, Ajoie (JU) sowie im Dreiseenland. Für den Schutz und die Förderung des Steinkauzes sind strukturreiche Kulturlandschaften mit alten Bäumen, Bruthöhlen und einer extensiven Nutzung entscheidend.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Steinkauz
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Hauptvorkommen sind in den Grenzregionen Genf, Ajoie (JU), Tessin, vereinzelt im Dreiseenland und Dreiländereck bei Basel
  • 2024: 155 Reviere, 110–130 Brutpaare, Bestand leicht steigend.
Entwicklung Schweiz
  • In den 1950er-Jahren noch verbreitet, starke Abnahmen bis Anfang der 2000er-Jahre auf nur 50–60 Reviere.
  • Bestandserholung seither dank gezielter Schutzmassnahmen auf 110–130 Brutpaare.
  • 2023 gab es die erste Brut seit 40 Jahren in der Nordwestschweiz bei Basel.
International
  • Ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens verbreitet.
  • In vielen Regionen Europas sind die Bestände rückläufig (z.B. Teile Deutschlands, Tschechien, Grossbritannien), vor allem wegen Lebensraumverlust.
  • Lokal zeigen Schutzprogramme Erfolg, etwa in West- und Mitteleuropa.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Kulturland
Ackerflächen, Brachen, Hecken, Obstgärten, Wiesen und Weiden
Siedlung
Gebäude, Gärten
Nahrung
Insekten und Spinnen
Grossinsekten, Heuschrecken, Nachtfalter
Säugetiere
Kleinsäuger, Nagetiere, Wühlmäuse
Reptilien
Eidechsen, Schlangen
Vögel
Kleinvögel
Würmer
Regenwürmer, Wirbellose
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Der Steinkauz bewohnt offene, strukturreiche Kulturlandschaften mit Obstgärten, alten Bäumen und nischenreichen Gebäuden. Wichtig sind Bruthöhlen, Sitzwarten und ein reiches Nahrungsangebot am Boden.

Nahrungshabitat

  • Jagt auf offenen, kurzrasigen Flächen und niedriger, lückiger Vegetation.
  • Extensiv genutzte Wiesen, Weiden, Obstgärten.
  • Nutzt Sitzwarten (z.B. Zaunpfähle, Bäume).
  • Nahrungshabitat nahe Bruthöhle.

Neststandort

  • Baumhöhlen.
  • Mardersichere Niströhren/Nistkästen.
  • Insbesondere im Tessin: Nischen von alten Gebäuden.

Winterhabitat

  • Standvogel, nutzt im Winter dasselbe Habitat wie zur Brutzeit.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Steinkauz

Der Steinkauz besiedelt strukturreiche Kulturlandschaften mit Hochstammobstgärten, alten Bäumen, nischenreichen Gebäuden sowie extensiv genutzten Wiesen und Weiden. Er jagt in offenen, kruzrasigen Flächen mit zahlreichen Strukturelementen wie Einzelbüschen, Ast-/Steinhaufen sowie Zaunpfosten als Ansitz. Charakteristisch sind kleinräumige Mosaike mit überständiger Vegetation als Unterschlupf für Beutetiere und offenen Bereichen zur Jagd. In der Schweiz lebt er in Tieflagen bis 600 m ü.M. in den Grenzregionen Genf, dem Dreiländereck bei Basel, Tessin, Ajoie (JU) sowie im Dreiseenland. Für den Schutz und die Förderung des Steinkauzes sind strukturreiche Kulturlandschaften mit alten Bäumen, Bruthöhlen und einer extensiven Nutzung entscheidend.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
150-160Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • stark gefährdet (EN)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Die Ausdehnung von Siedlungen und der damit einhergehende Verlust von Hochstammobstgärten, der Verlust von Bruthöhlen sowie das Fehlen von strukturreichen Flächen mit niedriger Vegetation und von kleinparzellierten, mosaikreichen Kulturlandschaften bedrohen den Steinkauz.

 
Brutzeit
  • Fehlende Sitzwarten und Mangel an strukturreichen Flächen verringern das Nahrungsangebot und erschweren den Zugang zur Beute.
  • Nasskalte Witterung (Mai–Juli) senkt den Bruterfolg.
  • Fehlende sichere Bruthöhlen und Verstecke erhöhen Brutverluste und Jungvogelsterblichkeit.
 
Zug/Winter
  • Schneereiche Winter mit andauernder Schneedecke reduzieren Beuteverfügbarkeit.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Jährliche Erhebung der Bestände in allen Regionen mit Steinkauzvorkommen.
  • Erfolgskontrollen von Massnahmen durch lokale Überwachung der Anzahl Brutpaare und Bruterfolg.
  • Lokale Beringungsprojekte.
 
Förderung
  • Sicherung bestehender Brutplätze durch deren Schutz.
  • Verbesserung der Qualität der Lebensräume.
  • Anlage von beutereichen Flächen in der Nähe von Brutstandorten.
  • Erhalt und Erneuerung von Hochstammobstgärten und Einzelbäumen mit extensiven Wiesen und Kleinstrukturen.
  • Gestaffelte Mahd.
  • Anbringen von mardersicheren Niströhren.
 
Forschung
  • Langzeitstudien zur Effektivität von Nistkastenprogrammen und Habitatmangagement fehlen.
  • Bedarf an Entwicklung und Evaluierung praxisnaher Massnahmen für verschiedene Lebensraumtypen.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Bestände in der Schweiz nehmen leicht zu.
  • Entscheidend für eine positive Entwicklung sind der Erhalt und die Aufwertung besetzter Standorte sowie die Vernetzung und Verbesserung geeigneter Lebensräume.
  • Schutzmassnahmen, Bruthöhlenförderung (auch mittels Nisthilfen) und Lebensraumverbesserung bieten Chancen.
  • Zersiedelung, Strukturverlust und Nahrungsmangel bleiben jedoch Herausforderungen.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Hochstammobstgärten erhalten/fördern

Hochstammobstgärten mit extensivem Unternutzen sind ein wichtiger Lebensraum für den Steinkauz.

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Gemeinden
Landwirtschaft
Private
Nistplätze bei Bauvorhaben berücksichtigen

Auf bekannte Nistplätze des Steinkauzes muss bei Bauvorhaben Rücksicht genommen werden.

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Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Planer und Architekten
Private
Nisthilfen anbieten und pflegen

Die Anbringung und der Unterhalt von Nistkästen wirkt dem Mangel an natürlichen Nistgelegenheiten entgegen.

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Gemeinden
Landwirtschaft
Naturschutz
Private
Biodiversitätsförderflächen anlegen

Brachen, extensive Wiesen und Weiden erhöhen das Nahrungsangebot.

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Landwirtschaft
Gestaffelte Mahd

Gestaffelte Mahd führt zu einem Mosaik an niedriger und hoher Vegetation und optimiert die Erreichbarkeit und das Angebot an Nahrung.

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Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Kleinstrukturen fördern

Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen, offene Bodenstellen, Wegränder und Säume auf Acker erhöhen das Nahrungsangebot.

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Gemeinden
Landwirtschaft
Naturschutz
Private
Pärke
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Artenförderung
Artenförderung Steinkauz
vogelwarte.ch
Ökologische Forschung
Raumnutzung und Dispersalökologie von Steinkäuzen
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Trinationales BirdLife-Programm Steinkauz und Obstwiesen
birdlife.ch
Artenförderungsprogramme Tessin
birdlife.ch
National Prioritäre Kulturlandvögel im Grossen Moos
birdlife.ch
Artenförderung Feldvögel Kanton Genf
birdlife.ch
Obstgarten Farnsberg
birdlife.ch
Artenförderung Steinkauz Ajoie (JU)
birdlife.ch
Weitere Projekte
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Vögel der Schweiz

Steinkauz

Der Steinkauz hat bei uns seit Jahrhunderten in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen gelebt, oft als Untermieter in Scheunen und Ruinen. In der bäuerlichen Bevölkerung galt er mit seinen mysteriösen nächtlichen Rufen als «Totenvogel», bei den alten Griechen war er das Sinnbild der Göttin Athene, was im wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck kommt. Durch den Rückgang extensiv bewir...
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