Zwergohreule
©
© Ruedi Aeschlimann
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Zwergohreule

Der Zwergohreule ist eine kleine Eule mit tarnendem Gefieder und unverwechselbarem Gesang. Sie bewohnt extensive, struktur- und insektenreiche Landwirtschaftsgebiete, wie Hochstammobstgärten oder Mager- und Extensivwiesen mit Hecken und Einzelbäumen. Als Höhlenbrüterin nistet sie in alten Bäumen, nimmt aber auch Nisthilfen an. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Heuschrecken.

Anfang der 2000er-Jahre war die Art in der Schweiz fast ausgestorben, besiedelt nun aber langsam wieder ehemals bewohnte, aber auch neue Gebiete. Sie kommt vor allem in wärmeren Regionen wie dem Wallis und Tessin vor.

Gefördert werden kann die Zwergohreule durch den Erhaltung von Mager- und Extensivwiesen, dem Anlegen von Altgrasstreifen sowie dem Erhalt von Höhlenbäumen und Anbringen von Nisthilfen.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Zwergohreule
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • 2024 wurden 106 Reviere gezählt, davon 73 im Wallis (29 Paare und 44 Sänger), 8–11 im Tessin und der Rest in anderen Regionen.
  • Regelmässige Sänger in Graubünden und Genf. Ansonsten nördlich der Alpen nur selten Bruten.
  • Schweizer Vorkommen an der Nordgrenze des Verbreitungsgebiets.
Entwicklung Schweiz
  • Im 20. Jahrhundert brach der Bestand bis auf ein Paar und einige unverpaarte Sänger ein, danach langsame Erholung.
  • Im Wallis nimmt die Zahl stetig zu, im Tessin scheint sie stabil zu bleiben.
International
  • Brütet in Südeuropa und im Mittelmeerraum sowie im westlichen Asien.
  • Winterquartiere liegen in Afrika südlich der Sahara und in Südeuropa; Teile der Population in Südeuropa sind sesshaft.
  • Rückgang des europäischen Bestands bis in die 1990er-Jahre, heute Zunahme in Mittel- und Osteuropa.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Kulturland
Brachen, Obstgärten, Wiesen und Weiden
Nahrung
Insekten und Spinnen
Insekten, Fluginsekten, Grossinsekten, Heuschrecken, Insektenlarven, Nachtfalter
Säugetiere
Kleinsäuger
Reptilien
Eidechsen
Vögel
Jungvögel, Kleinvögel
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Die Zwergohreule bevorzugt extensiv bewirtschaftete, strukturreiche Wiesen mit Hecken, alten Einzelbäumen oder Feldgehölzen sowie Hochstammobstgärten, die oft an schwach geneigten Südhängen liegen.

Nahrungshabitat

  • Extensive, strukturreiche Wiesen mit einer hohen Dichte an Heuschrecken und Nachtfaltern.
  • Grünes Heupferd ist wichtiger Nahrungsbestandteil zur Brutzeit.

Neststandort

  • Alte, frei stehende Bäume oder Guppen von Bäumen in der Nähe von Jagdrevieren.
  • Nutzt oft Grünspechthöhlen.
  • Nimmt auch Nistkästen an.

Winterhabitat

  • Zugvogel, der in Afrika südlich der Sahara und in Südeuropa in Savannen und baumbestandene Gebieten überwintert.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Zwergohreule

Der Zwergohreule ist eine kleine Eule mit tarnendem Gefieder und unverwechselbarem Gesang. Sie bewohnt extensive, struktur- und insektenreiche Landwirtschaftsgebiete, wie Hochstammobstgärten oder Mager- und Extensivwiesen mit Hecken und Einzelbäumen. Als Höhlenbrüterin nistet sie in alten Bäumen, nimmt aber auch Nisthilfen an. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Heuschrecken.

Anfang der 2000er-Jahre war die Art in der Schweiz fast ausgestorben, besiedelt nun aber langsam wieder ehemals bewohnte, aber auch neue Gebiete. Sie kommt vor allem in wärmeren Regionen wie dem Wallis und Tessin vor.

Gefördert werden kann die Zwergohreule durch den Erhaltung von Mager- und Extensivwiesen, dem Anlegen von Altgrasstreifen sowie dem Erhalt von Höhlenbäumen und Anbringen von Nisthilfen.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • notwendig und wichtig
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
70-90Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • stark gefährdet (EN)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Die intensive Bewirtschaftung des Kulturlands und der damit verbundene Mangel an Strukturen, wie Höhlenbäumen und Hecken. Der Einsatz von Pestiziden und die Bewässerung von Mähwiesen führen zu einem Rückgang der Dichte und Vielfalt an Insekten und zum Fehlen von Nistmöglichkeiten.

 
Brutzeit
  • Mangel an Nistplätzen (isolierte, alte Bäume fehlen).
  • Geringe Insektendichte (hauptsächlich Heuschrecken).
  • Störungen durch den Menschen vor allem in der Paarbildungsphase.
 
Zug/Winter
  • Die Vögel durchqueren Gebiete, in denen noch intensiv gejagt und mit Netzen gefangen wird.
  • Die Wüstenbildung im Sahelgürtel durch Klimaerwärmung und Übernutzung der Böden stellt wahrscheinlich ein Problem in den Winterquartieren dar.
Mehr anzeigen
Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Jährliches Monitoring der Sänger und Brutpaare im Wallis und Tessin zur Bestandserfassung.
  • Das Monitoring der Zwergohreule sollte zwischen dem 20. April und dem 10. Mai durchgeführt werden, da danach die Gesangsaktivität stark abnimmt.
 
Förderung
  • Förderung der extensiven Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen.
  • Förderung der Strukturierung der Landschaft durch die Anpflanzung von Hecken, Einzelbäumen und Hochstammbäumen.
  • Förderung der Insektenvielfalt, z.B. mittels Altgrasstreifen.
  • Anbringen von Nisthilfen.
  • Schärfung des Bewusstseins für Störungen der nistenden Avifauna.
 
Forschung
  • Ermittlung der Dichte von Insekten, vor allem von Heuschrecken.
  • Abschätzung möglicher Unterschiede zur Klärung der unterschiedlichen Bestandsentwicklung in den Verbreitungsgebieten im Wallis und im Tessin.
  • Forschung über die Grösse und Nutzung der Jagdreviere.
Mehr anzeigen
Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Die Art profitiert vom fortschreitenden Klimawandel.
  • Die Entwicklung im Wallis lässt auf einen weitere Bestandszunahme hoffen, während die künftige Entwicklung im Tessin unsicherer ist, da sie aufgrund ihrer geringen Grösse anfälliger für zufällige Schwankungen ist.
  • Die anhaltende Intensivierung der Landwirtschaft in mittleren Lagen u.a. wegen vermehrter Bewässerung von Mähwiesen, aber auch die Ausdehnung von Siedlungen, stellt eine Gefahr dar.
Mehr anzeigen
Fördermassnahmen und Stakeholder
Biodiversitätsförderflächen anlegen

Buntbrachen, Säume auf Acker sowie extensiv bewirtschaftete, gestaffelt oder spät genutzte Wiesen und Weiden bieten ein ausreichendes Nahrungsangebot.

Mehr anzeigen
Landwirtschaft
Naturschutz
Extensive Beweidung fördern
Eine extensive Beweidung fördert eine arten- und strukturreiche Vegetation.
Mehr anzeigen
Landwirtschaft
Naturschutz
Höhlenbäume erhalten

Höhlenbäume bieten Nistmöglichkeiten für verschiedenste Vogelarten, wie auch für die Zwergohreule.

Mehr anzeigen
Forstwirtschaft
Gemeinden
Kantone
Naturschutz
Pärke
Hochstammobstgärten erhalten/fördern
Hochstammobstgärten mit extensiver Unternutzung sind ein wichtiger Lebensraum für viele Vogelarten.
Mehr anzeigen
Gemeinden
Landwirtschaft
Naturschutz
Pärke
Nisthilfen anbieten und pflegen

Die Anbringung und der Unterhalt von Nistkästen wirkt dem Mangel an natürlichen Nistgelegenheiten entgegen.

Mehr anzeigen
Landwirtschaft
Naturschutz
Pärke
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Artenförderung
Artenförderung Zwergohreule
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderungsprogramme Tessin
birdlife.ch
©
© Ruedi Aeschlimann
Vögel der Schweiz

Zwergohreule

Im Süden ist der monoton flötende Gesang der Zwergohreule vielerorts zu hören, auch auf Campingplätzen und in Stadtparks. In der Schweiz kommt die wärmeliebende Art vor allem im Süden vor und ruft die Ferien im Süden in Erinnerung. Zu sehen ist sie aber kaum. Die Vögel sind dank ihres rindenfarbigen Gefieders tagsüber perfekt getarnt. Da sie sich hauptsächlich von Heuschrecken, Käfer...
Zum Artportrait in der Vogeldatenbank

Synergien mit anderen Prioritätsarten