Grauammer
©
© Ralph Martin
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Grauammer

Die Grauammer bewohnt strukturreiche, extensive Kulturlandschaften mit Büschen und Einzelbäumen, die als Singwarten dienen. Als Bodenbrüterin, die ihr Nest in relativ dichter Vegetation anlegt, ist sie auf spät genutzte Flächen angewiesen.

Der Bestand dieser Art hat in der Schweiz seit 1990 um rund 80 % abgenommen. 2021 musste sie als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Heute brüten zwischen 216–236 Paare in wenigen, meist ackerbaulich genutzten Gebieten in der Schweiz.

Die Grauammer profitiert von hochwertigen Biodiversitätsförderflächen wie Buntbrachen, Säumen auf Ackerfläche oder extensiv genutzten und mit Buschgruppen durchsetzten Wiesen, die während der Brutzeit nicht bewirtschaftet werden.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Grauammer
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Letzte grössere Bestände in von Ackerbau geprägten Gebieten (Grosses Moos BE, Champagne genevoise GE, Orbe-Ebene VD, Grenchner Witi SO).
  • Kann sich dort nur dank bereits umgesetzter Fördermassnahmen halten.
Entwicklung Schweiz
  • Die Art hat in der Schweiz seit 1990 um rund 80 % abgenommen.
  • 2010 auf der Roten Liste als verletzlich aufgeführt, 2021 als vom Aussterben bedroht.
  • Heute noch rund 216–236 Paare in wenigen Gebieten in der Schweiz (Zählungen 2023/2024).
International
  • Kommt von Europa und Nordafrika bis auf die Arabische Halbinsel und Westchina vor.
  • Starke Abnahmen in weiten Teilen von Grossbritanien sowie Nord- und Westeuropa (z.B. Belgien, Niederlande, Östereich und westliches Deutschland).
  • Südliche Bestände vermutlich noch weitgehend stabil.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Kulturland
Ackerflächen, Brachen, Hecken, Wiesen und Weiden
Nahrung
Insekten und Spinnen
Insekten, Spinnen, Grossinsekten, Heuschrecken, Insektenlarven, Kleininsekten, Nachtfalter
Samen
Getreidesamen, Grassamen
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Die Grauammer besiedelt in der Schweiz weite, offene und abwechslungsreiche Kulturlandschaften in tiefen Lagen mit Hecken, Buschgruppen und überstehender Vegetation, die gerne als Singwarte genutzt werden.

Nahrungshabitat

  • Nestlingsnahrung sind Heuschrecken, Insekten und deren Larven, aber auch Getreidesamen.
  • Nahrungssuche in Extensivwiesen, Buntbrachen oder Hecken mit Säumen.
  • Winternahrung vor allem Körner und Samen.

Neststandort

  • Nest am Boden, gerne in eher dichter Krautschicht.
  • In Wiesen, Säumen und Buntbrachen, aber auch in Ackerkulturen wie Getreide oder Futtererbsen.

Winterhabitat

  • Im Winter ähnliche Lebensräume wie zur Brutzeit.
  • Gerne auch auf Stoppeläckern oder in Schilfflächen.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Grauammer

Die Grauammer bewohnt strukturreiche, extensive Kulturlandschaften mit Büschen und Einzelbäumen, die als Singwarten dienen. Als Bodenbrüterin, die ihr Nest in relativ dichter Vegetation anlegt, ist sie auf spät genutzte Flächen angewiesen.

Der Bestand dieser Art hat in der Schweiz seit 1990 um rund 80 % abgenommen. 2021 musste sie als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Heute brüten zwischen 216–236 Paare in wenigen, meist ackerbaulich genutzten Gebieten in der Schweiz.

Die Grauammer profitiert von hochwertigen Biodiversitätsförderflächen wie Buntbrachen, Säumen auf Ackerfläche oder extensiv genutzten und mit Buschgruppen durchsetzten Wiesen, die während der Brutzeit nicht bewirtschaftet werden.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2025)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
90-190Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • kritisch gefährdet (CR)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Einer der wichtigsten Gründe für den starken Rückgang der Art in der Schweiz ist die Intensivierung der Landwirtschaft. Durch frühes und immer häufigeres Mähen werden viele Nester zerstört. Zudem fehlen strukturreiche, insektenreiche, extensiv genutzte Wiesen und Weiden sowie Buntbrachen.

 
Brutzeit
  • Braucht als Neststandort stellenweise dichte Bodenvegetation, die mindestens 6 Wochen nicht bewirtschaftet wird.
  • Extensive und teils intensive Wiesen sind attraktive Bruthabitate. Bruterfolg ist aber nur möglich mit Mahdverzicht, bis die Jungen flügge sind.
  • Gutes Nahrungsangebot.
 
Zug/Winter
  • Die Grauammer ist eine Teilzieherin.
  • In der Schweiz regional auch im Winter anzutreffen.
  • Vermutlich beeinflussen lokales Nahrungsangebot und Winterhärte das Zugverhalten.
Mehr anzeigen
Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Überwachung der wichtigsten Bestände weiterführen.
  • Verpaarungs- und Bruterfolg erheben als Wirkungskontrolle von umgesetzten Massnahmen.
 
Förderung
  • Hohe Dichte an insekten- und strukturreichen Biodiversitätsförderflächen wie Buntbrachen, Säumen auf Acker oder extensiv genutzten Wiesen mit Buschgruppen.
  • Keine oder späte Bewirtschaftung zur Brutzeit.
  • Brutschutzflächen als Notfallmassnahme in fragilen Beständen.
 
Forschung
  • Kenntnisse verbessern zu Habitatansprüchen (Menge, Qualität, räumliche Anordnung des Bruthabitats).
  • Bruterfolg und mögliche Gefährdungsursachen ermitteln.
  • Ermittlung weiterer wichtiger limitierender Faktoren auf demografische Parameter.
  • Sind Schweizer Bestände selbsterhaltend? Wie viel Austausch findet dazwischen statt?
Mehr anzeigen
Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Entwicklung in der Schweiz vermutlich abhängig von Dürren zur Brutzeit in Südeuropa, da jeweils Einflüge in der Schweiz beobachtet wurden.
  • Abhängigkeit hiesiger Bestände von Einwanderung aus dem Ausland unklar.
  • Zunahme von hochwertigen, spät bewirtschafteten Biodiversitätsförderflächen wirkt sich wahrscheinlich positiv auf Grauammerbestände aus.
  • Klimawandel beeinflusst vermutlich sowohl Timing der Bruten und der Habitatbewirtschaftung, aber auch Einflüge.
Mehr anzeigen
Fördermassnahmen und Stakeholder
Biodiversitätsförderflächen anlegen
Buntbrachen, Säume auf Acker sowie extensiv bewirtschaftete und spät genutzte Wiesen und Weiden erlauben ein ungestörtes Brüten und bieten ein ausreichendes Nahrungsangebot.
Mehr anzeigen
Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Extensive Bewirtschaftung fördern
Ungedüngte Wiesen, Verzicht auf Pestizide oder Mulchen fördern die Vielfalt an Pflanzen und Insekten und damit die Lebensraumqualität (Nistplätze für Bodenbrüter, Nahrungsangebot).
Mehr anzeigen
Kantone
Landwirtschaft
Späte Bewirtschaftung / Nutzung fördern
Grossflächig spät gemähte Flächen fördern lokale Bestände von Bodenbrütern am effektivsten.
Mehr anzeigen
Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Kulturenvielfalt schaffen / erhöhen
Kleinparzellierte und vielfältige Kulturlandschaften bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten.
Mehr anzeigen
Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Kleinstrukturen fördern

Kleinstrukturen wie Ast- oder Steinhaufen fördern die Biodiversität.

Mehr anzeigen
Gemeinden
Landwirtschaft
Naturschutz
Private
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Artenförderung
Artenförderung Grauammer
vogelwarte.ch
Lebensraum Kulturland
Lebensraumverbundsystem Grosses Moos
vogelwarte.ch
Lebensraum Kulturland
Lebensraumverbundsystem Wauwiler Ebene
vogelwarte.ch
Regionalstellen
Lebensraumverbundsystem Klettgau
vogelwarte.ch
Aufschwung für die Vogelwelt
Förderung der Biodiversität mit dem Massnahmenzentrum St. Johannsen BE
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderungsprogramm Grauammer
birdlife.ch
Grosses Moos Kulturlandvogel
birdlife.ch
Förderung von Kulturlandvögeln beim Flughafen Zürich
birdlife.ch
Artenförderung Feldvögel Kanton Genf
birdlife.ch
Weitere Projekte
©
© Ralph Martin
Vögel der Schweiz

Grauammer

Die knapp starengrosse Grauammer ist ein schlichter Vogel: zwar grösser als andere Ammern, aber unauffällig und lerchenähnlich gefärbt, ohne ein im Freiland erkennbares Prachtkleid und eher eintönig singend. Sie wirkt gedrungen und lässt die Beine bei kurzen Flugstrecken gerne hängen. Dieser Steppenvogel besiedelt bei uns die weite, offene und abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Wei...
Zum Artportrait in der Vogeldatenbank

Synergien mit anderen Prioritätsarten