Wachtelkönig
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© Jari Peltomäki
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Wachtelkönig

Der Wachtelkönig ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Früher brütete er vor allem im Mittelland, heute stammen über 75 % der Nachweise aus Lagen über 1000 m ü.M. Er braucht artenreiche, spät gemähte Wiesen mit hoher Vegetation (> 20 cm), feuchten Stellen und mosaikartiger Nutzung. Auch extensiv genutzte Weiden und krautreiche Bestände, z.B. mit Brennnesseln, werden genutzt. Fördermassnahmen umfassen das Monitoring rufender Männchen und die Zusammenarbeit mit Kantonen sowie Landwirtinnen und Landwirten für eine späte Mahd. Projekte im Ausland zeigen, dass mit gezielten Massnahmen geeignete Lebensräume wiederhergestellt werden können, was entscheidend ist für das Überleben der Art.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Wachtelkönig
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Bestand stark schwankend (jährlich 20–100 Rufer).
  • Hauptverbreitung in Graubünden mit jährlich mehreren Rufern.
  • Weitere Kerngebiete: Waadtländer Voralpen, Jurabogen und Teile des Wallis.
  • Im Mittelland werden vor allem Schutzgebiete mit Streueflächen besiedelt.
Entwicklung Schweiz
  • Brütete bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch regelmässig im Mittelland, aufgrund früherer Mahdtermine und intensiverer Nutzung heute weitgehend aus dem Mittelland verschwunden.
  • Seit 1990er-Jahren stammen über 75 % aller Nachweise aus Lagen über 1000 m ü.M.
International
  • Von Westeuropa bis Nordwestchina und Zentralsibirien verbreitet.
  • Starker langfristiger Rückgang der Bestände in Teilen Europas (ca. 50 % in 20 Jahren).
  • In allen Ländern Westeuropas nur noch lückenhaft verbreitet und vom Aussterben bedroht.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Feuchtgebiete und Gewässer
Feuchtgebiete, Moore
Kulturland
Brachen, Heide und Moorheide, Wiesen und Weiden
Nahrung
Insekten und Spinnen
Ameisen, Insekten, Fluginsekten, Grossinsekten, Heuschrecken, Insektenlarven, Kleininsekten, Nachtfalter
Samen
Getreidesamen, Grassamen
Schnecken
Schnecken
Würmer
Regenwürmer
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Der Wachtelkönig bevorzugt extensive, spät gemähte Wiesen mit hoher Vegetation (>20 cm), feuchten Stellen und hoher Strukturvielfalt.

Nahrungshabitat

  • Nahrungssuche in hoher, krautreicher Vegetation mit Insekten, Schnecken, Würmern.
  • Ungedüngte, feuchte Flächen mit reichhaltiger Bodenfauna.

Neststandort

  • Nest gut versteckt am Boden in hoher Vegetation, meist in spät gemähten Wiesen.
  • Neststandort oft im Umkreis von 250 m um rufende Männchen.

Winterhabitat

  • Offenland mit Deckung in Savannen südlich der Sahara (z.B. Sambia, Tansania).
  • Struktur ähnlich wie im Brutgebiet – ausreichend Deckung, nicht zu dicht.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Wachtelkönig

Der Wachtelkönig ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Früher brütete er vor allem im Mittelland, heute stammen über 75 % der Nachweise aus Lagen über 1000 m ü.M. Er braucht artenreiche, spät gemähte Wiesen mit hoher Vegetation (> 20 cm), feuchten Stellen und mosaikartiger Nutzung. Auch extensiv genutzte Weiden und krautreiche Bestände, z.B. mit Brennnesseln, werden genutzt. Fördermassnahmen umfassen das Monitoring rufender Männchen und die Zusammenarbeit mit Kantonen sowie Landwirtinnen und Landwirten für eine späte Mahd. Projekte im Ausland zeigen, dass mit gezielten Massnahmen geeignete Lebensräume wiederhergestellt werden können, was entscheidend ist für das Überleben der Art.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
16-22Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • kritisch gefährdet (CR)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft führt zu frühzeitiger Mahd, zerstörten Nestern und Lebensraumverlust. Überdüngung, Einsatz von Pestiziden und Prädatoren (Fuchs, Marder, Hermelin) belasten die Population zusätzlich.

 
Brutzeit
  • Frühe Mahd zerstört Gelege oder tötet Jungvögel.
  • Strukturarmes Grünland erschwert die Anlage von Nestern.
  • Fressfeinde wie Fuchs, Marder und Greifvögel prädieren Nester und Küken.
 
Zug/Winter
  • Lebensraumverlust in Afrika durch Überweidung, Brände, Umwandlung in Ackerland.
  • Illegale Bejagung auf dem Zugweg (z.B. Mittelmeerraum, Ägypten).
  • Dürren auf dem Zugweg oder im Winterquartier.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Schweizweite Erfassung rufender Individuen fortsetzten.
  • Langfristiges Monitoring ist wichtig zur Erkennung von Trends und Wirkung von Schutzmassnahmen.
  • Einsatz automatischer Akustikgeräte prüfen.
 
Förderung
  • Förderung spät gemähter, artenreicher Wiesen mit hoher Vegetation.
  • Zusammenarbeit mit Landwirt:innen und Kantonen.
  • Schaffung von «early cover»-Flächen durch gezielte Ansaat von Brennesseln oder Schwertlilien.
 
Forschung
  • Untersuchungen zur Reproduktion, Neststandorten und Bruterfolg.
  • Ursachen für Bestandsveränderungen identifizieren.
  • Kenntnisse zu Zugrouten und Wintergebiete verbessern.
  • Nestersuche und -schutz durch Einsatz von Wärmebilddrohnen (Pilotversuche) testen
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Ohne gezielte Schutzmassnahmen droht der Wachtelkönig in der Schweiz auszusterben.
  • Lebensraumaufwertungen für Wachtelkönige funktionieren und können auch in der Schweiz wieder für eine positive Bestandesentwicklung sorgen.
  • Internationale Kooperation und Schutz auf dem Zugweg sind entscheidend für den langfristigen Erhalt der Art.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Brutschutzflächen einrichten

Mahd erst ab 15. August und 10–20 % ungemähte Rückzugsstreifen (late cover) zur Sicherung von Bruten und Nahrungsverfügbarkeit.

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Jagd und Fischerei
Landwirtschaft
Naturschutz
Biodiversitätsförderflächen anlegen

Prämien für funktionale Lebensräume statt Flächenzahlung. Beurteilung anhand Vegetationshöhe, Feuchte, Struktur. Einsaat von Wiesen-Kerbel, Wiesen-Bärenklau und Engelwurz fördert die Insektenvielfalt, schafft Deckung und sichert den Bruterfolg.

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Angepasste Bewirtschaftung

Individuelle Beratung, z.B. zu Schnittzeitpunkten, Mahdtechniken und Förderoptionen, inklusive Monitoring der Wirksamkeit.

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Gestaffelte Mahd

Mosaikartige Mahd in Etappen schafft Rückzugsräume, sichert Bruten und verlängert die Habitatverfügbarkeit bis in den Spätsommer.

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Deckungsangebot fördern

Ansaat von spezifischen «early cover»-Flächen mit Brennesseln, Schwertlilien und Rohrglanzgras.

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Artenförderung
Wiesenbrüter Wallis
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderungsprojekt Wachtelkönig
birdlife.ch
Weitere Projekte
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© Jari Peltomäki
Vögel der Schweiz

Wachtelkönig

Noch anfangs des 20. Jahrhunderts beklagten sich viele Leute über die zahllosen Wachtelkönige, die ihnen durch das unermüdliche Rufen aus jeder Wiese den Schlaf raubten. Diese Zeiten sind heute vorbei. Berühmt ist der doppelsilbige Ruf «rrep-rrrep…». Der wissenschaftliche Name stammt vom griechischen Wort «krex» ab. Schon Aristoteles benannte den Wachtelkönig nach seiner Stimme....
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Synergien mit anderen Prioritätsarten