Braunkehlchen
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© Ralph Martin
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Braunkehlchen

Das Braunkehlchen ist ein Charaktervogel vielfältiger und insektenreicher Wiesen und Weiden. Der Langstreckenzieher kehrt Mitte April aus Afrika zurück, um zwischen Mai und August in der Schweiz zu brüten. Infolge der Intensivierung der Grünlandnutzung hat der Bestand seit 1950 massiv abgenommen. Der einst weit verbreitete Bodenbrüter kommt heute fast nur noch in höheren Lagen in den Alpen und im Jura vor. Doch auch auf die letzten Refugien steigt der Druck. Langfristig können Bestände nur mit dem Erhalt der Lebensraumqualität in den Brutgebieten erhalten werden. Konkret braucht es dauerhaft in grossen (≥ 20 ha) Gebieten mehr als 60 % spät (ab Mitte Juli) gemähte, extensiv genutzte Wiesen.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Braunkehlchen
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Aus dem Mittelland praktisch verschwunden, im Jura noch vereinzelt vorkommend, Schwerpunkt zwischen 1600–2100 m ü.M.
  • Seit 1993–1996 hat sich der Bestand halbiert, 2013–2016 5000–7000 Paare.
  • Graubünden und Wallis beherbergen ca. 65 %, Bern, Waadt und Tessin je 7–8% des nationalen Bestands.
Entwicklung Schweiz
  • Mittelland: seit 1950er-Jahren rückläufig, zwischen 1970er- und 1990er-Jahren fast verwaist.
  • Seit den 1990er-Jahren Rückgang im Jura, den Voralpen und den Tallagen der Alpen.
  • Seit 2014 Verschiebung in höhere Lagen (Trend unterhalb 1750 m ü.M. negativ, oberhalb positiv).
International
  • Brutgebiete in Europa und Westasien, Winterquartiere in Afrika südlich der Sahara.
  • 2021: 10’250’000–14’050’000 Brutpaare, über 50% der Bestände liegen in NO-Europa und W-Russland.
  • Europaweit rückläufig, deutliche Bestandsabnahmen v.a. in West- und Mitteleuropa.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Alpine Lebensräume
Zwergstrauchheide
Feuchtgebiete und Gewässer
Feuchtgebiete, Moore
Kulturland
Heide und Moorheide, Wiesen und Weiden
Nahrung
Insekten und Spinnen
Insekten, Spinnen, Heuschrecken, Insektenlarven, Kleininsekten
Früchte
Beeren
Würmer
Wirbellose
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Das Braunkehlchen bevorzugt offene, vielfältige, leicht gedüngte Wiesenlandschaften, besiedelt aber auch Alpweiden, Feuchtgebiete und alpine Zwergsträucher. Wichtig sind Sing-/Jagdwarten, wenig Gehölze und mindestens 100 m Abstand zum Wald.

Nahrungshabitat

  • Ist als Wartenjäger auf erhöhte Strukturen (z.B. überstehende Kräuter, Zäune) angewiesen, von wo aus Insekten gefangen werden.
  • Zur Erreichbarkeit der Nahrung braucht es Stellen mit niedriger und lückiger Vegetation.

Neststandort

  • Das Nest wird vom Weibchen in besonders dichter Vegetation (Sichtschutz gegen oben) in einer kleinen Bodenmulde gebaut (Bodenbrüter).
  • Oft am Fuss oder in der Nähe einer herausragenden Sitzwarte.

Winterhabitat

  • Überwintert in Afrika in Savannenlandschaften.
  • Regelmässiger Durchzügler in der ganzen Schweiz, besonders im Kulturland und in Feuchtgebieten in den Niederungen.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Braunkehlchen

Das Braunkehlchen ist ein Charaktervogel vielfältiger und insektenreicher Wiesen und Weiden. Der Langstreckenzieher kehrt Mitte April aus Afrika zurück, um zwischen Mai und August in der Schweiz zu brüten. Infolge der Intensivierung der Grünlandnutzung hat der Bestand seit 1950 massiv abgenommen. Der einst weit verbreitete Bodenbrüter kommt heute fast nur noch in höheren Lagen in den Alpen und im Jura vor. Doch auch auf die letzten Refugien steigt der Druck. Langfristig können Bestände nur mit dem Erhalt der Lebensraumqualität in den Brutgebieten erhalten werden. Konkret braucht es dauerhaft in grossen (≥ 20 ha) Gebieten mehr als 60 % spät (ab Mitte Juli) gemähte, extensiv genutzte Wiesen.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2025)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
6000-9000Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • verletzlich (VU)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Das Braunkehlchen ist ein Opfer der intensiven Grünlandnutzung in den Brutgebieten. Zusätzlich geht Lebensraum durch Vergandung (Wiederbewaldung), Infrastrukturen oder Störungen verloren. Verluste im Winterquartier beeinflussen die Bestandsentwicklung wohl kaum.

 
Brutzeit
  • Zu frühe und häufige Mahd zerstört viele Bruten (z.T. auch brütende Weibchen).
  • Reduziertes Insektenangebot (Menge und Erreichbarkeit) durch Düngung und Bewässerung von Wiesen.
  • Prädation (z.B. Füchse, Hauskatzen).
  • Schneefälle zur Nestlingszeit führen zu Brutausfällen.
 
Zug/Winter
  • Der Zug ist für alle Langstreckenzieher eine Herausforderung (Jagd, Rastplatz- und Nahrungsverlust, Klimawandel, Lichtverschmutzung, usw.).
  • Diese Probleme spielen gegenüber dem Lebensraumverlust im Brutgebiet aber vermutlich eine untergeordnete Rolle.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Überwachung der Bestandsentwicklung fortführen.
  • Regionale Verbreitungsschwerpunktgebiete identifizieren (Kartierung der Ausgangslage).
  • Wirkungskontrollen vor und nach der Umsetzung von Massnahmen durchführen.
 
Förderung
  • Extensivierung möglichst grosser Flächen im Rahmen des ökologischen Ausgleichs und regionalen Förderprojekten mit Partnern (v.a. grossflächig spät geschnitten).
  • Weitere Evaluation von Fördermassnahmen in Schwerpunktgebieten.
  • Beratung und Sensibilisierung der lokalen Akteure (Landwirte, allgemeine Bevölkerung).
 
Forschung
  • Angewandte Forschung zu den Fördermassnahmen weiterführen, die eine Stabilisierung bzw. Erholung der Bestände unter den heutigen landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermöglichen (v.a. Sömmerungsgebiet).
  • Wissensaustausch über die International Whinchat Working Group weiterführen.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • In Niederungen sind kaum grossflächige, spät gemähte Wiesen vorhanden, darum nur punktuelle Ansiedlungen von Einzelpaaren möglich.
  • Nur in höheren Lagen, wo Grünlandgebiete grossflächig extensiv und spät genutzt werden, hat die Art eine Zukunft.
  • Schirmart für vielfältige Bergwiesen.
  • Auswirkungen des Klimawandels und somit auf Verbreitung v.a. im Sömmerungsgebiet unklar.
  • Ohne Massnahmen folgt eine weitere Verschlechterung der kritischen Lage.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Späte Bewirtschaftung / Nutzung fördern
Grossflächig spät gemähte Flächen fördern lokale Bestände von Bodenbrütern am effektivsten.
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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Extensive Bewirtschaftung fördern
Ungedüngte Wiesen, Verzicht auf Pestizide oder Mulchen fördern die Vielfalt an Pflanzen und Insekten und damit die Lebensraumqualität (Nistplätze für Bodenbrüter, Nahrungsangebot).
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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Extensive Beweidung fördern

Eine extensive Beweidung fördert eine arten- und strukturreiche Vegetation und hält Grünlandflächen offen (Massnahme gegen Verbuschung und Verwaldung).

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Pärke
Sing- oder Jagdwarten fördern
Einzelsträucher, Bäume oder Holzpfosten können als Singwarten und Jagdwarten dienen und verbessern die Lebensraumausstattung.
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Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Pärke
Brutschutzflächen einrichten

Nester können durch ausgesparte Flächen bei der Mahd/Bewirtschaftung geschützt werden. Diese aufwändige Massnahme ist nur für kleine Bestände in früh genutztem Grünland geeignet.

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Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Private
Angepasste Bewirtschaftung

Entbuschungen, aber auch Wiedervernässungen erhalten den offenen Landschaftscharakter und verhindern das Aufkommen von Wald.

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Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Pärke
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Lebensraum Kulturland
Artenförderung Braunkehlchen
vogelwarte.ch
Praxisorientierte Forschung
Räumliche Priorisierung von Gebieten zur Artenförderung
vogelwarte.ch
Praxisorientierte Forschung
Soziale Attraktion als Artenförderungsmassnahme
vogelwarte.ch
Artenförderung
Wiesenbrüter Wallis
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderungsprogramm Braunkehlchen
birdlife.ch
Weitere Projekte
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Vögel der Schweiz

Braunkehlchen

Als typischer Wiesenvogel bewohnt das Braunkehlchen blumenreiche, vielfältige und extensiv genutzte Wiesen. Für das Brutgeschäft benötigt es etwas mehr als einen Monat. Doch soviel Zeit bleibt ihm in intensiv genutzten Wiesen nicht, die Bodennester werden regelmässig vermäht. Im Mittelland ist der «Wiesenschmätzer» daher heute praktisch verschwunden. Auch in den Bergen kommt er in Be...
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