Mehlschwalbe
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© Marcel Burkhardt
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Mehlschwalbe

Die Mehlschwalbe ist weit verbreitet und kommt vor allem im offenen und halboffenen Gelände vor. Sie baut ihre Nester primär an Gebäuden mit ausreichend Überdachung, brütet aber selten auch an Felswänden oder in Steinbrüchen. Als Nahrung erbeutet sie ausschliesslich kleine bis mittelgrosse Fluginsekten.

Der Bestand der Mehlschwalbe nimmt seit den 1990er-Jahren schweizweit ab, die Art wurde 2010 erstmals als nahezu bedroht eingestuft.

Die Nester am Gebäude sind stark von menschlichen Einflüssen abhängig. Oft gehen die mehrjährig genutzten Nester bei Bauvorhaben verloren oder werden nicht mehr toleriert. Weiter wirken sich der Verlust an Insektenbiomasse und an Nestbaumaterial negativ aus. Durch Rücksichtnahme, Sensibilisierung und das Anbieten von Kunstnestern kann der Mehlschwalbe geholfen werden.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Mehlschwalbe
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Vom Flachland bis in die Berge weit verbreitet, mit grössten Dichten in den tiefen Lagen.
  • Ab 1000 m ü.M. nimmt die Häufigkeit stark ab, Bruten finden aber bis auf über 2400 m ü.M. statt.
Entwicklung Schweiz
  • Spätestens seit den 1980er-Jahren starke Abnahme der Bestände, aber auch der Anzahl Kolonien.
  • In den letzten 10 Jahren blieb der Bestand einigermassen stabil.
  • Grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kolonien bzw. Regionen, aber grösste Verlusste im Mittelland und den Voralpen.
International
  • Die Mehlschwalbe ist in ganz Eurasien verbreitet.
  • In einigen Ländern Europas (z.B. Deutschland, Grossbritanien) sind die Bestände ebenfalls rückläufig.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Kulturland
Hecken, Obstgärten, Wiesen und Weiden
Siedlung
Gebäude, Gärten, Siedlungen
Nahrung
Insekten und Spinnen
Fluginsekten
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Die Mehlschwalbe brütet heute fast ausschliesslich an Gebäuden, in deren Nähe sie genügend lehmiges Material für den Nestbau und Fluginsekten findet. Die mehrjährig genutzen Nester baut sie geschützt im Bereich zwischen Unterdach und Fassade.

Nahrungshabitat

  • Nutzt gerne offenes Gelände zur Nahrungssuche.
  • Erbeutet Insekten wie Fliegen, Mücken oder Blattläuse im Flug.
  • Jagt überall dort, wo es viele Insekten gibt, z.B. über Gewässern oder entlang von Hecken.

Neststandort

  • Brütet mit Vorliebe in Kolonien.
  • Mehrjährig genutztes Nest aus Lehmklümpchen an Gebäuden mit rauer Fassade und Schutz vor Witterung (überdacht), selten an Felswänden oder in Steinbrüchen.
  • Nimmt gerne Kunstnester an.

Winterhabitat

  • Langstreckenzieherin, überwintert in West- und Zentralafrika.
  • Nutzt auch im Winterquartier offene Landschaften.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Mehlschwalbe

Die Mehlschwalbe ist weit verbreitet und kommt vor allem im offenen und halboffenen Gelände vor. Sie baut ihre Nester primär an Gebäuden mit ausreichend Überdachung, brütet aber selten auch an Felswänden oder in Steinbrüchen. Als Nahrung erbeutet sie ausschliesslich kleine bis mittelgrosse Fluginsekten.

Der Bestand der Mehlschwalbe nimmt seit den 1990er-Jahren schweizweit ab, die Art wurde 2010 erstmals als nahezu bedroht eingestuft.

Die Nester am Gebäude sind stark von menschlichen Einflüssen abhängig. Oft gehen die mehrjährig genutzten Nester bei Bauvorhaben verloren oder werden nicht mehr toleriert. Weiter wirken sich der Verlust an Insektenbiomasse und an Nestbaumaterial negativ aus. Durch Rücksichtnahme, Sensibilisierung und das Anbieten von Kunstnestern kann der Mehlschwalbe geholfen werden.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • notwendig und wichtig
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2025)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
80000-130000Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • nahezu bedroht (NT)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Das Verschwinden von Brutplätzen bei Bauvorhaben, der Mangel an Nestbaumaterial durch Versiegelung und trockene Frühlinge, der Rückgang an Fluginsekten durch Intensivierung der Landwirtschaft sowie die moderne Bauweise von Gebäuden sind Risikofaktoren für die Mehlschwalbe.

 
Brutzeit
  • Mangel an Nestbaumaterial (Versiegelung der Böden) sowie fehlende Strukturen für den Nestbau an modernen Gebäuden.
  • Schwindende Toleranz der Gebäudebewohnenden gegenüber Bruten und teils mutwillige Zerstörung der Nester.
  • Rückgang der Biomasse an Fluginsekten.
 
Zug/Winter
  • Schlechtwetterperioden auf dem Zug können zu Verlusten führen.
  • Ausreichendes Nahrungsangebot auf dem Zug und im Winterquartier.
  • In einigen Ländern werden Schwalben illegal gejagt.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Bestandsentwicklung wird im Rahmen der Überwachungsprojekte der Schweizerischen Vogelwarte verfolgt (Monitoring Häufige Brutvögel).
  • Lokale Projekte von Freiwilligen erheben Anzahl und Besetzung der Nester, teils über viele Jahre hinweg.
  • Wirkungskontrollen nach Anbringung von Nisthilfen.
 
Förderung
  • Gebäudebrüterinventar der Schweizerischen Vogelwarte mit dem Ziel, Brutstandorte zu schützen (Berücksichtigung der Nester bei Bauvorhaben).
  • Zahlreiche BirdLife-Sektionen und Privatpersonen bringen Kunstnester an (v.a. bei fehlendem Nestbaumaterial). Dies ist in der Nähe bestehender Kolonien besonders wirkungsvoll.
  • Lebensraumaufwertungen rund um Kolonien wären notwendig (z.B. Entsiegelung der Böden, naturnahe Gärten).
  • Feuchthalten von Lehmpfützen.
 
Forschung
  • Auswirkungen von Insektenrückgang auf Bruterfolg und Bestandsentwicklung untersuchen.
  • Kenntnisse schaffen zu Faktoren, die das langfristiges Bestehen von Kolonien beeinflussen.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Mehlschwalben sind eng an menschliche Bauten gebunden und daher stark auf die Toleranz der Bevölkerung angewiesen. Sensibilisierung von Bewohnenden und Gebäudebesitzenden ist zentral.
  • Kunstnestern sind eine sehr wirkungsvolle Massnahme, wenn optimal angewendet: in der Nähe bestehender Kolonie, ideal montiert, Kotbretter anbringen.
  • Auswirkungen des Klimawandels auf Insektenbiomasse und Sterblichkeit zur Zugzeit sollten im Auge behalten werden.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Nistplätze bei Bauvorhaben berücksichtigen

Der Erhalt bestehender Nistplätze ist für die Mehlschwalbe von grosser Bedeutung, da sie jeweils an denselben Brutort zurückkehrt. Ein zentrales Element dafür sind Gebäudebrüterinventare.

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Gebäudeverwaltungen
Gemeinden
Kantone
Private
Nisthilfen anbieten und pflegen

Das Anbieten von Nisthilfen ist besonders dort wertvoll, wo kein Nestbaumaterial zur Verfügung steht und in der Nähe besetzter Kolonien.

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Gebäudeverwaltungen
Gemeinden
Industrie und Gewerbe
Naturschutz
Private
Biodiversitätsförderflächen anlegen

Durch Biodiversitätsförderflächen im Landwirtschaftsgebiet können Insekten, die wiederum die Nahrung für Mehlschwalben sind, gefördert werden.

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Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Kulturenvielfalt schaffen / erhöhen

Kleinparzellierte und vielfältige Kulturlandschaften, aber auch naturnahe Siedlungen und Gärten bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten.

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Gartenbaubetriebe
Gemeinden
Landwirtschaft
Planer und Architekten
Private
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Lebensraum Siedlung
Artenförderung Mehlschwalbe
vogelwarte.ch
Lebensraum Siedlung
Schutz von Gebäudebrütern
vogelwarte.ch
Vogelzug
Der Zug der Mehlschwalbe
vogelwarte.ch
Praxisorientierte Forschung
Soziale Attraktion als Artenförderungsmassnahme
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderung Mehlschwalbe
birdlife.ch
Weitere Projekte
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Vögel der Schweiz

Mehlschwalbe

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