© Marcel Burkhardt

Flussregenpfeifer

Merkblatt

Förderung des Flussregenpfeifers in Kiesgruben und Steinbrüchen.
Rnjakovic, A. (2016)
Fachverband der Schweizerischen Kies-und Betonindustrie, Bern, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Zürich, Nos Oiseaux, Schweizerische Vogelwarte, Sempach

Elemente für Artenförderungsprogramme Vögel Schweiz

Die folgenden Informationen basieren auf dem Bericht von Spaar et al. (2012).

1. Hintergrundinformationen

Bestand
Der Flussregenpfeifer brütet in der ganzen Schweiz, meist unterhalb 600 m ü.M. Die Brutplätze liegen v.a. im Mittelland und in den grossen Flusstälern in den Alpen. Der geschätzte Bestand beträgt 100–120 Brutpaare. 30–40 % der Paare brüten im St. Galler Rheintal auf 30 km Flusslänge. Die Art hat in der Schweiz in der Zeit der grossen Flusskorrekturen vermutlich dramatische Bestandseinbussen hinnehmen müssen. Zwischen den 1970er- und der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre hat sich die Anzahl der Brutplätze ungefähr vervierfacht, entsprechend hat sich wahrscheinlich auch der Brutbestand deutlich erhöht. Dies war eine Folge der häufiger entstandenen Brutmöglichkeiten in Kiesgruben und Grossbaustellen. Seither konnte die Art ihren Bestand in der Schweiz knapp halten. Schutz und Renaturierung von Fliessgewässern haben in den letzten Jahren vermutlich hierzu beigetragen.

Lebensraumansprüche
Der Flussregenpfeifer brütet in der Schweiz bevorzugt auf vegetationsarmen Kies-, Schotter- und Sandflächen, oft in Wassernähe. Es gibt zwei Brutplatztypen: (a) (semi-)natürliche Standorte an Flüssen, (b) vom Mensch geschaffene Kiesgruben und -flächen im Bereich von Grossbaustellen. 1993–96 lagen 61 % der Brutplätze an Flüssen und in Flussdeltas, 33 % in Kiesgruben, 6 % auf vegetationsarmen, steinigen Ruderalflächen wie Industriearealen, militärischen Übungsplätzen oder Aufschüttungen sowie auf steinigen Äckern. Seit 2002 erstmals auch auf bekiesten Dächern von Industriebauten, wobei es sich hier wohl eher um zufällig genutzte Brutplätze mit sehr geringen Aussichten auf Bruterfolg handeln dürfte. Der Anteil der an Flüssen brütenden Paare ist in den letzten Jahren gestiegen. Die oft kurzlebigen Biotope werden mitunter sehr rasch besiedelt. Von Jahr zu Jahr wechseln die Brutplätze stark, verursacht durch den wechselnden Wasserstand, das Angebot an Kiesflächen, den Zustand des Habitats sowie Störungen.

Gefährdung
Verlust natürlicher Kiesbänke und Sandflächen entlang von Flüssen durch Verbauungen und Kiesgewinnung, natürliche Sukzession in aktuellen Brutgebieten und Fehlen von Neubildung geeigneter Flächen infolge der fehlenden Gewässerdynamik, Zuschüttung bzw. Zuwachsen von Kiesgruben. Weitere Gefährdungen sind Störungen, Prädation und nasskalte Witterung zur Brutzeit.

Limitierende Faktoren
Vorhandensein ungestörter vegetationsarmer Kies-, Schotter- und Sandflächen.

Perspektive
Der Flussregenpfeifer kann neu entstandene Lebensräume sehr schnell besiedeln. Die Art ist jedoch wegen des weitgehenden Verlusts der ursprünglichen Habitatdynamik von periodischen Eingriffen des Menschen abhängig. Ob weitere Kiesgruben entstehen und wie die bestehenden bewirtschaftet bzw. gepflegt werden, wird die Bestandsentwicklung wesentlich beeinflussen. Nur naturnahe, dynamische Flusssysteme, die dauerhaft neue Lebensräume schaffen, können den Bestand des Flussregenpfeifers langfristig sichern.

Schutzstatus
Rote Liste CH: EN, stark gefährdet
Priorität CH: B2, gefährdete Art mit geringer internationaler Verantwortung der Schweiz
Konventionen: Berner Konvention: streng geschützt (Anhang 2)
Bonner Konvention: wandernde Vogelart, für die Abkommen zu schliessen sind (Anhang 2)
AEWA Annex 1 (C1)

2. Laufende Aktivitäten, Erfahrungen aus Schutz und Forschung

Laufende Schutzmassnahmen und Programme

Forschungsprogramme
Im Rahmen der Überwachungsprojekte der Schweizerischen Vogelwarte wird die Bestandsentwicklung des Flussregenpfeifers verfolgt.

Bekannte Artenförderungsmassnahmen national und international

Notwendige Projekte (Artenförderung, Forschung, Monitoring)