Kiebitz
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© Marcel Burkhardt
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Kiebitz

Der Kiebitz bewohnte ursprünglich Riedland, vor allem gemähte Pfeifengraswiesen. Nach dem Verschwinden dieser Habitate besiedelte er vor allem Acker-, aber auch Grünland.

Der Verlust von Feuchtgebieten und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung führten im 20. Jahrhundert zu einem starken Rückgang des Kiebitzes. 2004 brüteten nur noch 80 Paare in der Schweiz. Nur dank gezielter Schutz- und Fördermassnahmen konnte sich der Bestand auf heute rund 200 Brutpaare erholen.

Nach wie vor gilt der seltene Bodenbrüter als stark gefährdet (EN) und ist auf gezielte Massnahmen angewiesen, wie etwa die Anlage geeigneter Brutflächen ohne Bewirtschaftung zur Brutzeit (z.B. Kiebitzbrachen, Feuchtäcker) oder Schutzzäune rund um Brutflächen, um Gelege und Küken vor Fressfeinden (v.a. Rotfuchs) zu schützen.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Kiebitz
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Brütet im Mittelland unterhalb von 600 m ü.M., stellenweise in den grossen Alpentälern (Rheintal, Rhonetal) und ausnahmsweise im Tessin.
  • Bestand aktuell ca. 200 Brutpaare.
  • Grösste Kolonien: Wauwilermoos (LU), Nuoler Ried und Frauenwinkel (SZ), Grosses Moos (BE/FR).
Entwicklung Schweiz
  • Starker Rückgang von ca. 1000 Paaren (Mitte 1970er-Jahre) auf 80 Brutpaare (2004).
  • Erholung des Bestands dank Fördermassnahmen auf rund 200 Brutpaare (2024).
International
  • Verbreiteter Brutvogel in Eurasien, in Europa von Spanien bis in den Norden Skandinaviens.
  • Starke Bestandsrückgänge in Mitteleuropa um 80–90 % (z.B. –88 % von 1992 bis 2019 in Deutschland).

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Feuchtgebiete und Gewässer
Feuchtgebiete, Moore
Kulturland
Ackerflächen, Brachen, Wiesen und Weiden
Nahrung
Insekten und Spinnen
Insekten, Spinnen, Kleininsekten
Würmer
Regenwürmer, Wirbellose
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Der Kiebitz kommt in Feuchtgebieten und auf Wiesen, Weiden und Äckern mit bodenfeuchten Flächen und fehlender oder kurzer Vegetation vor. In feuchtem Oberboden findet der Kiebitz genügend Nahrung.

Nahrungshabitat

  • Feuchtes Grün- und Ackerland, Riedwiesen, z.T. Randbereiche von Teichen und Tümpeln.

Neststandort

  • Bodennest in niedriger, lückiger Vegetation oder auf vegetationsfreien Äckern, Stoppelbrachen und Brachen.
  • In Feuchtgebieten oder Feuchtäckern auf Inseln.

Winterhabitat

  • Offenes Kulturland, Feuchtgebiete.
  • Zugvogel, unsere Brutvögel überwintern nicht in der Schweiz.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Kiebitz

Der Kiebitz bewohnte ursprünglich Riedland, vor allem gemähte Pfeifengraswiesen. Nach dem Verschwinden dieser Habitate besiedelte er vor allem Acker-, aber auch Grünland.

Der Verlust von Feuchtgebieten und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung führten im 20. Jahrhundert zu einem starken Rückgang des Kiebitzes. 2004 brüteten nur noch 80 Paare in der Schweiz. Nur dank gezielter Schutz- und Fördermassnahmen konnte sich der Bestand auf heute rund 200 Brutpaare erholen.

Nach wie vor gilt der seltene Bodenbrüter als stark gefährdet (EN) und ist auf gezielte Massnahmen angewiesen, wie etwa die Anlage geeigneter Brutflächen ohne Bewirtschaftung zur Brutzeit (z.B. Kiebitzbrachen, Feuchtäcker) oder Schutzzäune rund um Brutflächen, um Gelege und Küken vor Fressfeinden (v.a. Rotfuchs) zu schützen.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
180-210Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • stark gefährdet (EN)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Ohne Schutz- und Fördermassnahmen überleben zu wenige Jungvögel, damit hiesige Populationen stabil bleiben. Es braucht grossflächige natürliche Lebensräume sowie von der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ausgesparte Flächen und Schutz vor Prädation.

 
Brutzeit
  • Zerstörung und Fehlen natürlicher Lebensräume (Riedwiesen, Flachmoore).
  • Fehlen ungestörter Brutflächen.
  • Intensive landwirtschaftliche Nutzung, unwillentliche Zerstörung von Gelegen und Küken.
  • Prädation (v.a. Rotfuchs, z.T. Rabenkrähe, Greifvögel).
 
Zug/Winter
  • Bejagung und Wilderei in den Überwinterungsgebieten (z.B. Frankreich) kommt immer noch vor.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Lokale Überwachung von Kolonien in der gesamten Schweiz: Brutansiedlungen, Balzaktivitäten im Frühjahr sowie Ermittlung der Anzahl Brutpaare und des Bruterfolgs.
 
Förderung
  • Schutz von Nestern und Küken vor Bewirtschaftung (Beobachtung der Bruten, Begleitung der Landwirte) und vor Prädatoren (Schutzzäune errichten und überwachen).
  • Schaffung von Bruthabitaten (Feuchtwiesen und -äcker, Kiebitzbrachen, Flutmulden) und gezielte Pflege (Beweidung, Bodenbearbeitung vor Eiablage, Wassereinstau, Bewässerung).
 
Forschung
  • Prüfen der Validität des Schwellenwerts 0.8 notwendigen Flügglingen pro Brutpaar für den Populationserhalt.
  • Ermittlung der Faktoren, welche den individuellen Bruterfolg beeinflussen (Koloniegrösse, Dichte, Wetter, Schutzmassnahmen, Bruthabitat, usw.).
  • Prüfung der Wirksamkeit alternativer Methoden zu Schutzzäunen.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Starke Abhängigkeit von Schutz- und Fördermassnahmen, um die notwendige Reproduktion zum Erhalt der Populationen zu erreichen.
  • Klimatische Veränderungen (fehlende Niederschläge) sind eine Herausforderung: Sicherstellen feuchter Flächen (Wassereinstau, Bewässerung) ist wichtig.
  • Schaffung mehr geeigneter Lebensräume ist von zentraler Bedeutung. Der Schweizer Bestand hängt heute stark vom Schicksal einiger weniger Kolonien ab.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Feuchtäcker und -wiesen schaffen

Der Kiebitz ist auf feuchte Wiesen und Äcker angewiesen. Kiebitze nutzen diese Gebiete als Brutplatz und zur Aufzucht der Jungen, die im feuchten Oberboden genügend Nahrung finden.

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Bund
Gemeinden
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Brutschutzflächen einrichten

Bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung von Wiesen und Äckern werden Gelege und Küken unwillentlich zerstört. Um Bruterfolg zu ermöglichen, werden Gelege lokalisiert und bei der Bewirtschaftung ausgespart. Der Schutz der Brutplätze mit Elektrozäunen hält Bodenprädatoren ab.

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Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Private
Extensive Bewirtschaftung fördern

Kiebitzbrachen sowie extensiv genutzte Wiesen und Weiden sind geeignete Bruthabitate. Hier sind die potenziellen Gefahren für Bruten durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung minimiert. In Kiebitzbrachen finden Küken genügend Nahrung und Deckung (Aufnahme vom 7. Mai 2024).

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Bund
Kantone
Landwirtschaft
Naturschutz
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Lebensraum Kulturland
Artenförderung Kiebitz
vogelwarte.ch
Regionalstellen
Lebensraumverbundsystem Sankt Galler Rheintal
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
National prioritäre Kulturlandvögel im Grossen Moos
birdlife.ch
Nuoler Ried
frauenwinkel.ch
Fraubrunnenmoos
birdlifebern.ch
Weitere Projekte
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Vögel der Schweiz

Kiebitz

Der Kiebitz ist wohl die bekannteste Limikolenart und einer der auffälligsten Bewohner offener Landschaften. Er ist dank seiner Silhouette mit der einzigartigen, langen Federholle, dem violetten Glanz der dunklen Gefiederpartien und seiner Stimme unverkennbar. Den Rufen verdankt er seinen deutschen Namen. Besonders die Männchen sind bei ihren akrobatischen Balzkapriolen sehr stimmfre...
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