Flussregenpfeifer
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© Marcel Burkhardt
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Flussregenpfeifer

Der Flussregenpfeifer ist ursprünglich ein Bewohner von Kiesbänken in Auen und Flussmündungen. Er braucht vegetationsfreie Kies- und Sandflächen und besiedelt daher regelmässig neue Standorte, da die alten an Qualität verlieren, und er ist somit von einer natürlichen Flussdynamik abhängig. Als anpassungsfähige Pionierart gelingt es ihm auch neue Lebensräume zu besiedeln, wenn natürliche selten werden. Heute nistet er daher auch in Kiesgruben, auf Baustellen und sogar auf Flachdächern.

In der Schweiz gilt der Flussregenpfeifer mit 90–120 Brutpaaren und einer unregelmässigen Verbreitung als stark gefährdet.

Die Art ist in natürlichen und neu besiedelten Lebensräumen vielen Bedrohungen ausgesetzt, kann aber durch Flussrevitalisierungen und Schutz der Brutplätze vor Störungen gefördert werden.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Flussregenpfeifer
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • 60 % der Population nistet entlang von Flüssen, 30 % in Kiesgruben und der Rest verteilt sich auf diverse Habitate (z.B. Baustellen, Armeegelände, feuchte Äcker). Letztere sind oft nur von kurzer Dauer.
  • Das grösste Vorkommen (ca. 30 Paare) befindet sich am Alpenrhein im Kanton St. Gallen.
Entwicklung Schweiz
  • Verlust der Lebensräume führten in den 1960er-Jahren zu einem historisches Tief von 20 Paaren.
  • Besiedlung von Kiesgruben und anderer Ersatzlebensräume ab Mitte der 1960er-Jahre, was u.a. zu einer Erholung der Bestände führte.
  • Stabilisierung seit den 1990er-Jahren bei heute etwa 100 Paaren.
International
  • Wie in der Schweiz: Rückgänge Anfang des 20. Jahrhunderts, später Zunahme dank Besiedlung neuer Habitate.
  • Grosse Unterschiede zwischen Ländern/Regionen: Anteil Brutplätze in natürlichen vs. Ersatzhabitaten variiert stark.
  • Bestandsanstieg und regionale Zunahme dank grosszügiger Aufwertungsprojekte.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Feuchtgebiete und Gewässer
Fliessgewässer, Mündungsgebiete
Trockenstandorte und Felsen
Kiesgruben, Steinbrüche, Ödland
Nahrung
Insekten und Spinnen
Insekten, Ameisen, Spinnen, Grossinsekten, Insektenlarven, Kleininsekten
andere Wassertiere
Krebstiere
Würmer
Regenwürmer, Wirbellose
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Der Flussregenpfeifer braucht offene, vegetationsarme Sand-, Kies- und Schotterflächen. Lebensräume, die diese Bedingungen erfüllen, sind die Ufer und Kiesinseln von Flüssen und Flussmündungen oder Kiesgruben und Baustellen.

Nahrungshabitat

  • Sucht seine Nahrung auf vegetationslosen Flächen, an Flussufern oder in kleinen Gewässern oder Tümpeln mit stehenden Gewässern.

Neststandort

  • Das Nest ist eine einfache Mulde, die auf offener Fläche angelegt wird.

Winterhabitat

  • Macht auf dem Zug oft Halt in Wassernähe, auf Kies- und Sandstränden, in Wattgebieten oder manchmal auf überschwemmten Feldern.
  • Überwintert hauptsächlich im tropischen Afrika, wo er die gleichen Lebensräume nutzt wie auf dem Zug.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Flussregenpfeifer

Der Flussregenpfeifer ist ursprünglich ein Bewohner von Kiesbänken in Auen und Flussmündungen. Er braucht vegetationsfreie Kies- und Sandflächen und besiedelt daher regelmässig neue Standorte, da die alten an Qualität verlieren, und er ist somit von einer natürlichen Flussdynamik abhängig. Als anpassungsfähige Pionierart gelingt es ihm auch neue Lebensräume zu besiedeln, wenn natürliche selten werden. Heute nistet er daher auch in Kiesgruben, auf Baustellen und sogar auf Flachdächern.

In der Schweiz gilt der Flussregenpfeifer mit 90–120 Brutpaaren und einer unregelmässigen Verbreitung als stark gefährdet.

Die Art ist in natürlichen und neu besiedelten Lebensräumen vielen Bedrohungen ausgesetzt, kann aber durch Flussrevitalisierungen und Schutz der Brutplätze vor Störungen gefördert werden.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • dringend
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2025)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
100-140Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • stark gefährdet (EN)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

In der Schweiz fehlt es dem Flussregenpfeifer an geeigneten Bruthabitaten, da natürliche Flussdynamiken durch die Begradigung von Wasserläufen und dem Bau von Wasserkraftwerken verloren gingen. Zwar kann die Art auch Ersatzlebensräume nutzen, doch auch diese sind selten und oft nur temporär geeignet.

 
Brutzeit
  • Fehlen der natürlichen Dynamik von Fliessgewässern.
  • In natürlichen Lebensräumen: Störungen durch Erholungssuchende und plötzliche Veränderung der Wasserführung (Hochwasser) führen zu Brutverlusten.
  • In Ersatzlebensräumen (z.B. Kiesgruben) besteht Gefahr durch die Bewirtschaftung.
 
Zug/Winter
  • Geeignete Rast- oder Überwinterungsgebiete sind relativ begrenzt, und auch hier führt der menschliche Druck zu häufigen Störungen.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Bestandsüberwachung fortsetzen, insbesondere in Gebieten mit Revitalisierungsprojekten.
  • Verstärktes Monitoring an Ersatzstandorten: Besonders wichtig ist, Nistplätze so früh wie möglich zu entdecken, vor allem in Kiesgruben und auf Baustellen, um Schutzmassnahmen zu ergreifen.
 
Förderung
  • Gross angelegte Flussrevitalisierungsprojekte entwickeln, inklusive Besucherlenkung.
  • Natürliche hydrologische und sedimentäre Dynamik von Flüssen sicherstellen zur Schaffung von Pionierlebensräumen.
  • In Ersatzlebensräumen: Kommunikation mit Akteuren verbessern (v.a. Kiesgrubenbetreiber), damit Brutplätze geschützt werden.
 
Forschung
  • Untersuchung der Bedeutung von Fortpflanzungserfolg, Überleben, Ein- und Auswanderung für die Populationsentwicklung an natürlichen Brutplätzen und in Ersatzlebensräumen.
  • Ermittlung der Auswirkungen von Störungen und menschlichen Aktivitäten auf die Art in den verschiedenen Lebensräumen.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Die Erfahrungen aus mehreren Aufwertungsprojekten zeigen, dass die Art sehr gut auf die zu ihren Gunsten ergriffenen Revitalisierungsmassnahmen reagiert und die Zahl der in natürlichen Lebensräumen brütenden Paare steigt.
  • Die Art kann sich nur halten, wenn das Angebot an Lebensräumen ausreichend ist. Daher braucht es weitere Anstrengungen, damit genügend natürliche Brutplätze, aber auch Ersatzlebensräume zur Verfügung stehen.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Störungen verhindern / minimieren

Störungen durch Menschen oder Hunde können Lebensräume beeinträchtigen und u.a. zu Brutverlusten führen. Verhindern lässt sich dies durch Informationen, Absperrungen, Gebote oder Verbote.

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Gemeinden
Jagd und Fischerei
Kantone
Pärke
Tourismus und Sport
Gewässerrenaturierung

Renaturierung von Fliessgewässern, vor allem durch Verbreiterung des Flussbetts, und Rückkehr zu einer natürlichen hydrologischen und sedimentären Dynamik.

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Bund
Gemeinden
Kantone
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Praxisorientierte Forschung
Besucherlenkung im revitalisierten Auengebiet bei Bever
vogelwarte.ch
Förderprojekte Birdlife
Artenförderungsprogramm Flussregenpfeifer
birdlife.ch
Revitalisierung der Saumbachwiesen
birdlife.ch
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Vögel der Schweiz

Flussregenpfeifer

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