Bartgeier
©
© Marcel Burkhardt
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Bartgeier

Der Bartgeier zählt zu den markantesten Greifvögeln der Alpen. Er brütet mitten im Winter, fernab vom Blick der Menschen in vor Wind und Wetter geschützten Felsnischen, die er mehrmals wiederverwenden kann. Er besiedelt weitläufige Gebiete mit vielen Lawinenrinnen, die er im Gleitflug nach Kadavern durchsucht. Dabei ernährt er sich hauptsächlich von Knochen. Der Bartgeier wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den Alpen ausgerottet, ab 1986 aber erfolgreich wiederangesiedelt. 2025 gab es in der Schweiz 35 Brutpaare – ein Drittel der Gesamtpopulation in den Alpen. Zur Erhaltung des Bestands müssen Kollisionen, Vergiftungen und Störungen um die Nester verhindert werden.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Bartgeier
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Brütet vor allem in Graubünden und im Wallis, einige Paare im Berner Oberland, im Tessin und im Kanton St. Gallen.
  • Überall in den Alpen und immer öfter in den Voralpen zu jeder Jahreszeit anzutreffen.
Entwicklung Schweiz
  • Ausgerottet in der Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Wiederansiedlung von Vögeln aus Gefangenschaft ab 1986, erste erfolgreiche Brut 2007.
  • Progressive Zunahme des Bestands, 35 Paare mit mindestens einer erfolgreichen Brut im Jahr 2025.
International
  • Ausgerottet in den Alpen Anfang des 20. Jahrhunderts, heute in anderen Regionen in Europa unter Druck.
  • Aktuell wachsende Population in den Alpen und den Pyrenäen, in kritischem Zustand in Korsika und ausgerottet in Osteuropa.
  • Weltweit rückläufig.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Alpine Lebensräume
Gebirge
Trockenstandorte und Felsen
Felswände
Nahrung
Aas
Knochen, Kadaver
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Der Bartgeier lebt in weitläufigen Alpengebieten mit zahlreichen Schluchten, Lawinenrinnen und Felsformationen.

Nahrungshabitat

  • Gebirge, insbesondere unwegsames Gelände, Schluchten und Lawinenrinnen mit zahlreichen Tierkadavern.

Neststandort

  • Grosse Felsformationen mit zahlreichen Felsbändern, die natürlichen Schutz von den Elementen bieten.
  • Brutplätze werden oft über mehrere Jahre genutzt.

Winterhabitat

  • Der Bartgeier ist ein sesshafter Vogel, der seine alpinen Reviere im Winter nicht verlässt.
  • Bei starkem Schneefall kann er auf der Suche nach Nahrung ins Flachland hinabfliegen.
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Bartgeier

Der Bartgeier zählt zu den markantesten Greifvögeln der Alpen. Er brütet mitten im Winter, fernab vom Blick der Menschen in vor Wind und Wetter geschützten Felsnischen, die er mehrmals wiederverwenden kann. Er besiedelt weitläufige Gebiete mit vielen Lawinenrinnen, die er im Gleitflug nach Kadavern durchsucht. Dabei ernährt er sich hauptsächlich von Knochen. Der Bartgeier wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den Alpen ausgerottet, ab 1986 aber erfolgreich wiederangesiedelt. 2025 gab es in der Schweiz 35 Brutpaare – ein Drittel der Gesamtpopulation in den Alpen. Zur Erhaltung des Bestands müssen Kollisionen, Vergiftungen und Störungen um die Nester verhindert werden.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • notwendig und wichtig
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
24-30Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • kritisch gefährdet (CR)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Kollisionen mit verschiedenen, vom Menschen errichteten Bauten (z. B. Stromleitungen) und Störungen am Nest sind die grössten Gefahren für den Bartgeier. Er ist zudem anfällig für Vergiftungen (Blei, vergiftete Köder, illegale Fütterung).

 
Brutzeit
  • Starke Anfälligkeit für Störungen während der Brutzeit.
  • Fliegende Hubschrauber in Nestnähe, Tierfotografie durch Menschen, Klettern oder andere Outdoor-Sportarten sind erhebliche Stressfaktoren.
 
Zug/Winter
  • Der Bartgeier legt auf der Suche nach Nahrung weite Strecken zurück. Er ist gut an den Winter in Europa angepasst und brütet in dieser Jahreszeit.
  • Frei- und Stromleitungen, Windkraftanlagen und andere Bauten können zu tödlichen Kollisionen führen.
Mehr anzeigen
Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Fortgesetztes Monitoring von Brutpaaren zur Überwachung der Erfolgsquote der Brut.
  • Gezielte Suche nach neuen Paaren, um Störungen vorzubeugen.
  • Sammlung von genetischem Material, um die Entwicklung der genetischen Vielfalt in der Alpenpopulation zu verfolgen.
 
Förderung
  • Kontakt mit Fluggesellschaften zur Festlegung von Flugverbotszonen um die Nester.
  • Sensibilisierung von Personen, die Outdoor-Sport betreiben, und von Fotografierenden, um Störungen am Horst zu vermeiden.
  • Markierung von schlecht sichtbaren Frei- oder Stromleitungen.
 
Forschung
  • Populationsmonitoring: Aktualisierung der demografischen Analyse, um den Erfolg des Wiederansiedlungsprogramms zu prüfen.
  • Genomische Analyse der wiederangesiedelten Population.
  • Studien zu Bewegungen von Vögeln, die mit GPS-Sendern ausgestattet sind.
Mehr anzeigen
Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Die Alpenpopulation wächst und dürfte sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, falls die aktuelle Dynamik sich fortsetzt.
  • Die Sterblichkeit erwachsener Vögel ist der stärkste limitierende Faktor.
  • Neun zusätzliche Todesfälle bei erwachsenen Tieren pro Jahr würden genügen, um die Population zu verringern – vermeidbare, d. h. durch Menschen verursachte Unfälle müssen daher verhindert werden.
Mehr anzeigen
Fördermassnahmen und Stakeholder
Gefährliche Leitungen / Masten sanieren

Kollisionen und Stromschläge können mit entsprechenden Markierungen an Leitungen verhindert werden.

Mehr anzeigen
Gemeinden
Industrie und Gewerbe
Kantone
Störungen verhindern / minimieren

Störungen durch Menschen oder Luftfahrzeuge in der Nähe von Nestern können zu Brutverlusten führen.

Mehr anzeigen
Jagd und Fischerei
Kantone
Tourismus und Sport
Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Artenförderung
An Felswänden nistende Vögel
vogelwarte.ch
Populationsbiologie
Demografisches Populationsmonitoring
vogelwarte.ch
Weitere Projekte
©
© Marcel Burkhardt
Vögel der Schweiz

Bartgeier

Der Bartgeier ist mit einer Spannweite von über 2,6 Metern der grösste Vogel der Alpen. Um ihn hielten sich in der Vergangenheit zahlreiche Märchen, wovon auch alte Trivialnamen wie «Rossgyr», «Gemsengeier» oder «Lämmergeier» zeugen. In der Schweiz wurde er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus Konkurrenzüberlegungen und Unkenntnis sowie dank Abschussprämien gezielt dezimiert und sch...
Zum Artportrait in der Vogeldatenbank

Synergien mit anderen Prioritätsarten