Lachmöwe
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© Marcel Burkhardt
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Lachmöwe

Die Lachmöwe brütet in vor terrestrischen Feinden geschützten Übergangsbereichen zwischen Wasser und Land. Der Bestand liegt in der Schweiz heute bei 500–700 Brutpaaren in etwa 10 Kolonien. Die Brutorte liegen vor allem an den Mittellandseen mit Bruthilfen, teils in den verbliebenen grösseren Feuchtgebieten wie im Neeracherried (ZH). Natürliche Gewässerufer werden nur ab und zu besiedelt, da offenbar die Struktur meist nicht genügt. Die Art nutzt vor allem, zusammen mit der Flussseeschwalbe, die angebotenen Brutplattformen und -flosse. Der Unterhalt dieses Netzes von Bruthilfen ist daher sehr wichtig, um die Art bei uns als Brutvogel zu halten. Bauliche Massnahmen sollen die Brutplatzkonkurrenz mit der Mittelmeermöwe entschärfen.

Verbreitung und Entwicklung

Schematisierte Verbreitung
Verbreitung - Lachmöwe
Schematisierte Verbreitung zur Brutzeit (ocker), im Winter (blau punktiert) oder zu den Zugzeiten (weinrot punktiert).
Brutbestandsindex
Die Grafik zeigt die relative Entwicklung des Brutbestands in der Schweiz (100 = Mittelwert). Lesebeispiel: Ein Wert von 130 bedeutet, dass der Bestand im entsprechenden Jahr 30% über dem Mittelwert der gesamten berücksichtigten Zeitperiode lag.
Bestand und Verbreitung Schweiz
  • Kommt an Gewässern mit Bruthilfen (Plattformen, Flossen, Brutinseln) und teils an Schilfufern verteilt übers ganze Mittelland vor.
  • Die Schwerpunkte liegen in der Region des Genfersees, der Dreiseen-Region, der Region Zürich und am Lengwiler Weiher (TG).
Entwicklung Schweiz
  • Der Bestand nahm von etwa 3000 Paaren um 1985 auf 800–1000 Paare zwischen 2000 und 2010 stark ab. Seit 2011 schwankt er zwischen 500 und 700 Paaren.
  • In den 1970er-Jahren stieg der Bestand, wie im restlichen Europa, stark an, vermutlich bedingt durch neue anthropogene Nahrungsquellen.
International
  • Brütet von Island über Europa und Asien bis Südostrussland und Nordostchina.
  • Nach dem Populationswachstum in Europa in den 1970er-Jahren nahmen die Bestände vermutlich wegen Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung wieder ab, vor allem abseits der Küsten.

Lebensraum und Nahrung

Lebensraum
Feuchtgebiete und Gewässer
Feuchtgebiete, Moore, Mündungsgebiete, Seen
Kulturland
Ackerflächen, Wiesen und Weiden
Nahrung
Aas
Kadaver
Abfall
Brot, Kompost
Amphibien
Frösche, Kröten
Insekten und Spinnen
Ameisen, Fluginsekten, Grossinsekten, Heuschrecken, Insektenlarven
Samen
Getreidesamen, Grassamen
Früchte
Beeren, Fallobst
Fische
Fische
andere Wassertiere
Krebstiere, Muscheln
Säugetiere
Kleinsäuger
Schnecken
Schnecken
Vögel
Eier, Jungvögel
Würmer
Regenwürmer
Lebensraum- und Nahrungsansprüche

Die Lachmöwe brütet in Feuchtgebieten und an Seen mit verfügbaren Niststandorten, welche Schutz vor terrestrischen Feinden bieten: Brutplattformen und -flosse, künstliche Inseln, Schilfufer, Seggenbulten.

Nahrungshabitat

  • Äcker, gemähte Wiesen, Weiden, Flachwasserzonen, überschwemmtes Kulturland.

Neststandort

  • Vor terrestrischen Feinden geschützte Plattformen, Flosse, Inseln, Bulten im Wasser, Schilfufer.

Winterhabitat

  • Schlafplätze in grösseren Trupps auf Seen und Stauseen
  • Äcker, Wiesen und Weiden, Gewässer in Städten mit Ruheplätzen (Nahrungsreste, Fütterung).
Artenförderung Vögel Schweiz - Prioritätsarten

Lachmöwe

Die Lachmöwe brütet in vor terrestrischen Feinden geschützten Übergangsbereichen zwischen Wasser und Land. Der Bestand liegt in der Schweiz heute bei 500–700 Brutpaaren in etwa 10 Kolonien. Die Brutorte liegen vor allem an den Mittellandseen mit Bruthilfen, teils in den verbliebenen grösseren Feuchtgebieten wie im Neeracherried (ZH). Natürliche Gewässerufer werden nur ab und zu besiedelt, da offenbar die Struktur meist nicht genügt. Die Art nutzt vor allem, zusammen mit der Flussseeschwalbe, die angebotenen Brutplattformen und -flosse. Der Unterhalt dieses Netzes von Bruthilfen ist daher sehr wichtig, um die Art bei uns als Brutvogel zu halten. Bauliche Massnahmen sollen die Brutplatzkonkurrenz mit der Mittelmeermöwe entschärfen.
National Prioritäre Art (NPA)
Der Faktor «Verantwortung» beschreibt die internationale Bedeutung des schweizerischen Bestands einer Art. Die Zuteilung zu den Verantwortungsklassen erfolgte vor allem aufgrund der geografischen Verbreitung (Schweiz, europäisch oder weltweit) und der genetischen und/oder ökologischen Bedeutung der Schweizer Populationen.
  • alleinige Verantwortung
  • sehr hohe Verantwortung
  • hohe Verantwortung
  • Verantwortung
  • Mitverantwortung
  • geringe Mitverantwortung
Handlungsebene (NPA)
Für alle National Prioritären Arten wird angegeben, auf welcher Handlungsebene Massnahmen erfolgen sollten: im Rahmen der spezifischen «Artenförderung» (AF), durch spezifischen «Lebensraumförderung» (LF) oder durch die biodiversitätsfreundliche Nutzung der natürlichen Ressourcen auf der «Ganzen Landesfläche» (GL) durch alle Sektoralpolitiken.
Eine Art wurde immer nur einer Ebene zugeteilt. Wenn Massnahmen auf der Ebene «Ganze Landesfläche» (GL) für die Erhaltung und Förderung der Art nicht genügen, braucht es die zweite Ebene, die spezifische «Lebensraumförderung» (LF). Wenn dies ebenfalls nicht ausreicht, kommt zusätzlich die spezifische «Artenförderung» (AF) zum Zuge. Eine Art, die spezifische Artenfördermassnahmen benötigt, ist demzufolge auch bei der Umsetzung von Massnahmen auf den Ebenen «Lebensraumförderung» und «Ganze Landesfläche» besonders zu berücksichtigen.
  • AF Artenförderung
  • LF Lebensraumförderung
  • GL ganze Landesfläche
AF
Dringlichkeit
Für alle Arten der Handlungsebenen «Artenförderung» (AF) und «Lebensraumförderung» (LF) erfolgte eine Beurteilung durch Expert:innen, mit welcher zeitlichen Dringlichkeit Massnahmen umzusetzen, fortzusetzen und/oder neu zu planen sind. Dabei wurden die beiden Faktoren Gefährdung und internationale Verantwortung einbezogen und die Erfolgsaussichten berücksichtigt.
  • notwendig und wichtig
Circle
Circle
Circle
Bestand Schweiz
(2021-2024)
Der Bestand gibt an, wie viele Paare im angegebenen Zeitraum gebrütet haben. Da diese Zahl von Jahr zu Jahr schwankt und es Ungenauigkeiten bei der Bestandserhebung gibt, wird eine Bandbreite angegeben. Bei einigen schwierig zu erfassenden Arten sind nur die balzenden Männchen angegeben. Aus den Angaben zum Bestand kann man nicht einfach durch Verdopplung die Zahl der Individuen berechnen. Die Anzahl Vögel ist nach der Brutzeit viel höher, einige Vögel brauchen Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind und teilweise ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nicht 1:1.
550-680Paare
Rote Liste
Rote Listen basieren auf den wissenschaftlichen Kriterien der IUCN und beurteilen das Aussterberisiko einer Art. Das hilft zu erkennen, wo der Handlungsbedarf im Naturschutz besonders gross ist.
  • stark gefährdet (EN)

Projektträger

Gefahren, Aktivitäten und Prognosen
Limitierende Faktoren und Gefahren

Die Verfügbarkeit der Nistplätze ist limitierend. Da durch die Entwässerung der Feuchtgebiete natürliche Brutplätze selten geworden sind, brütet die Art heute vorwiegend auf künstlichen Bruthilfen.

 
Brutzeit
  • Ein ausreichendes Netz von unterhaltenen Brutplattformen und -flossen ist wichtig, um genügend Raum zum Brüten und das Ausweichen bei Prädationsdruck zu ermöglichen.
  • Die Brutplatzkonkurrenz mit der Mittelmeermöwe sollte durch bauliche Massnahmen entschärft werden.
 
Zug/Winter
  • Genügend Habitat vorhanden
  • Der Winterbestand ist durch Zuzug aus dem Nordosten etwa 40-mal höher als der Brutbestand.
  • Die Bestandsgrösse korreliert vermutlich stark mit dem europäischen Bestand.
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Notwendige Aktivitäten
Monitoring
  • Der Brutbestand wird jährlich durch freiwillige lokale Mitarbeitende erhoben. Somit können Probleme frühzeitig erkannt und angegangen werden.
  • Die Schweizerischen Vogelwarte erfasst die Bestände pro Gebiet.
 
Förderung
  • Lokale Organisationen haben an den geeigneten Gewässern ein Netz von Bruthilfen aufgebaut und unterhalten es.
  • Schweizerische Vogelwarte und BirdLife Schweiz organisieren regelmässige Treffen, um einen Austausch zwischen den Koloniebetreuenden zu ermöglichen.
 
Forschung
  • Bachelorarbeit zur Nahrung und zu Prädatoren im Neeracherried (2022).
  • Wissen über Faktoren, welche die Besiedlung von neuen Brutplätzen beeinflussen.
  • In Europa entwickeln sich die küstennahen Bestände besser als jene im Binnenland. Hier werden negative Effekte von Änderungen in der Landnutzung vermutet.
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Erfolgsaussichten und Prognosen
  • Wird das Netz von Bruthilfen weiter unterhalten und noch etwas ausgebaut, sollte sich die Art bei uns halten können.
  • Massnahmen an den Bruthilfen entschärfen Konkurrenz mit Mittelmeermöwen (z.B. Abdecken bzw. Auswassern der Bruthilfen bis kurz vor Brutbeginn der Lachmöwe, Ergänzung von weiteren Flossen/Plattformen bei Platzmangel).
  • Die Schweiz liegt eher am Südrand des Brutareals, die Klimaerwärmung hat möglicherweise negative Auswirkungen.
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Fördermassnahmen und Stakeholder
Brutplattformen zur Verfügung stellen
Brutplattformen oder Flosse auf Gewässern bieten Ersatzlebensraum zu störungsfreien Kiesbänken.
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Gemeinden
Kantone
Naturschutz
Störungen verhindern / minimieren
Störungen durch Menschen, Hunde oder Fahrzeuge können Lebensräume beeinträchtigen und unter anderem zu Brutverlusten führen.
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Förderprojekte Schweizerische Vogelwarte
Monitoring
Monitoring Ausgewählte Arten
vogelwarte.ch
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Vögel der Schweiz

Lachmöwe

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