© Raphael Arelettaz

Zwergohreule

Elemente für Artenförderungsprogramme Vögel Schweiz

Die folgenden Informationen basieren auf dem Bericht von Spaar et al. (2012).

1. Hintergrundinformationen

Aktuelle Entwicklung von Verbreitung und Bestand
Das Vorkommen der Zwergohreule in der Schweiz liegt im Bereich der nördlichen Arealgrenze. Bis in die 1960er-Jahre brütete die Zwergohreule am Waadtländer Jurasüdfuss, im südlichen Seeland, in der Umgebung von Chur und im südlichen Tessin. Bis 1956 gab es auch Bruten in der Region Genf. Das Verbreitungsgebiet der Art ist in unserem Land in den letzten Jahrzehnten massiv geschrumpft. Die Art brütet heute nur noch in kleinem Bestand im Wallis und, seit Mitte der 1990er-Jahre, wieder im Tessin. Seit der Jahrtausendwende ist eine verstärkte Immi­gration festzustellen, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.

Lebensraumansprüche
Die Zwergohreule besiedelt im Wallis stark struk­turiertes, traditionell bewirtschaftetes Landwirtschaftsland, oft an schwach geneigten Südhängen. Sie ist vom Vorkommen von Grossinsekten abhängig. Die letzten Walliser Brutpaare besiedeln Heckenlandschaften mit Einzelbäumen, Hochstammobstgärten und Feldgehölzen sowie Mager- und Extensivwiesen. Im Tessin besiedelt die Art die tiefer gelegenen Gegenden, insb. die Magadino-Ebene.

Gefährdung
Die Intensivierung der Landwirtschaft wird als Hauptgrund für den Rückgang der Zwergohreule betrachtet. Getreide-, Maisanbau sowie Fettwiesen haben nach und nach die ursprünglichen Magerwiesen und -weiden ersetzt. Zudem fielen viele Hochstamm-Obstbäume, Hecken und andere Kleingehölze der Rationalisierung zum Opfer. Weitere Faktoren, die den Bestand der Zwergohreule gefährden, sind nasskalte Witterung im Frühling.

Limitierende Faktoren
Angebot an grösseren Wirbellosen (v.a. Tettigoniidae) und Kleinsäugern (letztere von geringerer Bedeutung). Lückige oder niedrige Bodenvegetation. Bruthöhlen in grossen freistehenden Bäumen.

Perspektive
Die Zukunftsaussichten der Zwergohreule sind eher positiv, vor allem weil die Art von der Klimaerwärmung profitieren sollte, was auch die Wiederansiedlung im Tessin zeigt. Wenn die Pläne zur Verbesserung der Lebensräume in der Rhoneebene im Rahmen der dritten Rhonekorrektion umgesetzt werden, wird die Art als Brutvogel profitieren. Obwohl die Art in Mittel- und Südeuropa vor allem in den letzten 30 Jahren grossflächig abnimmt, ist mit einer fortlaufenden, jedoch tendenziell abnehmenden Bestandsstützung durch ausländische Populationen zu rechnen.

Schutzstatus
Rote Liste CH: EN, stark gefährdet
Priorität CH: B2, gefährdete Art mit geringer internationaler Verantwortung der Schweiz
Konventionen: Berner Konvention: streng geschützt (Angebot 2)

2. Laufende Aktivitäten, Erfahrungen aus Schutz und Forschung

Laufende Schutzmassnahmen und Programme
Im Wallis werden in einer Zusammenarbeit der Schweizerischen Vogelwarte, den Landwirten und der Dienststelle für Wald und Landschaft Altgrasstreifen (sog. Bandes herbeuses) in Mager- und Extensivwiesen zur Förderung des Nahrungsangebots angelegt.

Forschungsprogramme
Eine Erfolgskontrolle zur Wirkung der Altgrasstreifen auf das Heuschreckenangebot und die Zwergohr­eulenbestände läuft (Schweizerische Vogelwarte, Aussenstelle Wallis).

Bekannte Artenförderungsmassnahmen national und international
Aufgrund der Beobachtungen an wenigen Individuen kann die Zwergohreule mit folgenden Massnahmen gefördert werden: Erhaltung von Mager- und Extensivwiesen. Anlegen von Altgrasstreifen entlang von Parzellengrenzen. Diese Massnahme hat nachweislich zu einer Erhöhung des Heuschreckenan­gebots geführt, insb. der für die Zwergohreule wichtigen Gruppe der Tettigoniidae.

Notwendige Projekte (Artenförderung, Forschung, Monitoring)